Braunkohle strahlt gefährlicher als ein Kernkraftwerk?

Jedenfalls dann, wenn das Kernkraft keinen Störfall hat.

Beim Abbau in Tagebauten werden radioaktive Stoffe freigesetzt. In Form von Stäuben die zum Beispiel Thorium und Uran enthalten aber auch als Gas Radon. In einer Studie erklärte das LANUV die Radonkonzentrationen für unbedenklich, allerdings wurden hier Messungen von unterschiedlichen Stellen und in unterschiedlichen Höhen verwendet. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Ergebnis durch unterschiedliche Messbedingungen nur sehr begrenzt aussagekräftig. Warum bei dem Thema nicht auf eine komplette Messkampagne zurückgegriffen wurde erschließt sich nicht.

Geologisch ist erklärbar, dass durch unveränderten Boden weniger Gas kommen kann, als durch einen wo man die ‚Schutzschichten‘ abgetragen hat. Einige Gesteinsschichten sind ja sogar so Gasdicht, dass Erdgaslagerstätten entstehen konnten. Über der Braunkohle muss m.W. zwar keine Gesteinsschicht abgetragen werden, wohl aber Grundwasserschichten, die von der Dichtigkeit Radon deutlich Widerstand leisten dürften.

Die Untersuchungen des Feinstaubes, welcher u.a. Thorium und Uran trägt, fand von einer externen Stelle nur für jeweils einen Zeitraum von 24 Stunden und das vier Mal statt. Die Randbedingungen waren dem LANUV nicht bekannt. Die Aussagekraft solcher Messergebnisse ist minimal. Für Feinstaubbelastungen muss über einen längeren Zeitraum parallel zu kurzen Messzeiträumen gemessen werden.

Die eigenen Messungen des LANUV führen zu dem Ergebnis, dass Zeiträume mit erhöhter Feinstaubkonzentration auch zu erhöhter Aktivität führt. Die Exposition also stark witterungsabhängig zu sein scheint.

Es wurde aber nur die Alphastrahlung gemessen. Beta Strahlung anscheinend nicht. Warum wohl nicht? Auch wurde nicht auf Thorium oder Uran untersucht, obwohl die ‚Studie‘ diese Stoffe am Anfang sogar explizit erwähnt.

Die Zerfallsreihe von Uran belegt, dass auch Betastrahlung entsteht die wesentlich tiefer geht, als Alphastrahlung.

Alles in allem wirkt die Studie schludrig, als sollte sie nur als Beleg dafür herhalten, dass keine Gefahr droht. Natürlich könnte man sagen, dass sich aus der Alphastrahlung auch Beta- und Gammastrahlung ableiten lässt. Aber nicht einmal die Zusammensetzung des Feinstaubes zu analysieren und dann auch nur bei einigen Proben die Aktivität zu erfassen kann keine Grundlage für so ein Ergebnis sein. In einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift würde so etwas zerrissen werden. Die Anzahl der Messungen liegt noch im statistischen Rauschen.

Aber ist natürlich klar, dass RWE hieraus eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für ihre Tagebauten ableiten und in einer eigenen Publikation nicht einmal eine Gefahr für die Arbeiter vor Ort sieht. Allerdings steht in der Studie explizit keine Hinweise, es wird also nicht zu 100 % ausgeschlossen, dass da doch etwas sein kann. RWE hat hier also etwas als Fakt dargestellt, was in der Studie so aber nicht drin steht.

So gesehen dürfte die Tagebauten im Umfeld von Jülich gefährlicher sein, als der dortige marode Kugelreaktor. Denn als Feinstaub sind die radioaktiven Partikel lungengängig und können so selbst als Alphastrahler großen Schaden anrichten.

Also nicht nur werden wir durch Braunkohle mit unnötig viel Kohlendioxid belastet, nicht nur werden Dörfer und wertvoller Ackerboden vernichtet, sondern allein der Abbau könnte schon eine eklatante Gefahr für die Gesundheit darstellen.

Die RWE-Publikation lässt vermuten, dass die Arbeiter in den Tagebauten wohl nicht zusätzlich geschützt werden. Wobei vor Feinstaub so oder geschützt werden muss, weil dies aus arbeitsschutzrechtlicher Sicht als krebserregend angesehen wird und somit egal von welchem Staub eine Gefahr droht.

Quellen:
Wikipedia
LANUV-Studie:
RWE

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