Wochenanzeiger und Kameraüberwachung

Unter dem Titel „Stichwort „Big Brother“: Braucht Duisburg mehr Überwachung oder ist das blinder Aktionismus?“ in der Online Ausgabe des Wochenanzeigers findet sich der provokante Kommentar von Harald Landgraf, der Kameras als Heilversprechen darstellt. Zwar wird auf der Seite zur Diskussion aufgefordert, aber aus gegebenem Anlass, ebenfalls wegen fehlender Kennzeichnung bei einer Duisburger Bank.

Angeblich wären Kameras ein probates Mittel zur Abschreckung. Na außer provokant ist diese These für die Tonne. Die Kameras in Köln haben nicht abgeschreckt und m.W. auch nichts zur Aufklärung beigetragen, da sie kein vernünftiges Bild lieferten (Stand 10.01.16). Bei Affekthandlungen wirken Kameras ohnehin nicht, denn hier denken die Täter nicht über Konsequenzen nach und selbst da wo Kameras vorhanden sind ist die Abschreckung minimal, denn erstens können sie nicht alles überwachen und häufig sind professionelle Täter auf Kameras vorbereitet und gerade jetzt im ‚Winter‘ kann man sich prima unkenntlich machen.

Um eine abschreckende Wirkung zu entfalten müsste zudem auf die Kameras hingewiesen werden. Was am Beispiel des Bahnhofs Duisburg aber nur sehr verschämt geschieht. Das Symbol ist zwar an jeder Tür, aber fällt kaum auf, weil es ins Design integriert wurde, dabei fordert selbst das BDSG eine deutliche Kennzeichnung. Nun ist Datenschutz etwas anderes als Abschreckung, aber der fehlende Hinweis ‚Hier wirst du überwacht!‘ entfaltet sicherlich kaum abschreckende Wirkung.

Es gibt sogar Lebensmittelhändler die behaupten, dass die Kameras in den Geschäften zur Sicherheit der Kunden vorhanden wären. Vielleicht liegt auch hier das Problem bei der Kameraüberwachung und den fehlenden bzw. falschen Hinweisen. Wollen die Geschäfte etwa ihre Kunden nicht darauf hinweisen, dass wegen Misstrauen gegenüber jedem überwacht werden? Ist es gar, diese Pauschalanschuldigung des Diebstahls die zumindest bei den Kameras in Geschäften der einzige Grund für den Betrieb ist, welche die Geschäftsinhaber so schamhaft auf die Überwachung hinweisen lässt?

Ich kann jedenfalls stolz verkünden, dass ich schon bei mehr als einer Kamera dafür gesorgt habe, dass diese nicht mehr überwacht bzw. diese zumindest richtig gekennzeichnet wird. Und ich werde auch weiterhin die Grundrechte verteidigen vor dieser maßlosen und unsinnigen Überwachung, welche niemanden hilft und allerhöchstens mal bei der Aufklärung hilft.

Wobei mich die Kameraüberwachung in einem leeren Geschäft nach Feierabend nicht im geringsten stört. Denn da erwischt sie dann wirklich nur Einbrecher, wobei auch hier die Abschreckung gering ist, wie man an den Diebstahlzahlen sieht.

Abschreckung geht nur durch Präsenz und konsequente Ahndung, denn alles andere wird als Schwäche ausgelegt. Allerdings braucht es dazu Staatsanwaltschaften, Gerichte und Polizeibehörden mit ausreichend Personal und ebenfalls als Prävention gegen die kriminalisierende Perspektivlosigkeit ein deutlich besseres Bildungssystem, die insbesondere auch jene fördert, die Startschwierigkeiten haben.

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