Ich hätte da mal ein paar Fragen zu Gülle

Auf dieser Seite hier hat die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen Informationen zum Thema Gülle veröffentlicht.

Natürlich wird dieser „Naturdünger“ in den höchsten Tönen gelobt und die positiven Eigenschaften hervorgehoben.

Aber ist dies die Wahrheit?

Sehr geehrte Personen,

auf Ihrer Internetseite veröffentlichten Sie einige Informationen zum Thema Gülle. Allerdings bin verwundert, dass Sie Gülle als harmlosen Dünger darstellen, obwohl es sich, meiner Einschätzung nach, eher um Sondermüll handeln dürfte.

Gülle aufs Feld auszubringen ist ganz sicher kein Recycling, wie dargestellt. Erstens sind in NRW die Gewässer mit zu viel Nitraten belastet und der wahrscheinlichste Weg ist hier vom Acker ins Wasser, wo der Verbraucher viel Geld dafür zahlen muss, dass dies im Rahmen der Trinkwasseraufbereitung wieder entfernt wird. Also die Kosten für die Entsorgung landen ohnehin beim Verbraucher. Egal, ob dies nun direkt beim Fleisch bezahlt wird oder über die Wassergebühren. Wobei letzteres eher die Landwirte trifft, weil das Wasser in ländlicheren Regionen meist stärker mit Nitraten belastet ist.

Viel bedenklicher, als das Verschweigen dieser Zusammenhänge finde ich allerdings, dass mit keinem Wort die Belastung dieses angeblichen „Naturdüngers“ mit Antibiotika oder Hormonen thematisiert wird. Dass dadurch das Grundwasser belastet wird, wurde vom UBA inzwischen veröffentlicht. Das ist einfach unehrlich so einen wichtigen Punkt zu verschweigen. Erinnert mich stark an die Zigarettenindustrie, die ja auch gerne Fakten verschweigt. Fakt dürfte aber sein, dass durch die Verklappung von Gülle auf den Äckern, denn nichts anderes ist das, das Biom geschädigt wird. Also die Bodenorganismen. Durch Abtötung der Bodenorganismen ist allerdings keine nachhaltige Bewirtschaftung möglich. Zudem wird mehr Gülle ausgebracht, als die Böden benötigen und Kunstdünger kann von den Eigenschaften viel genauer auf die Pflanzen eingestellt werden. Wahrscheinlich sogar so genau, dass keine Gülle gebraucht wird und die Belastung der Oberflächen- und Grundwässer zurückgehen würde. Denn gerade am Niederrhein geht das Nitrat in den sandigen Böden quasi sofort ins oberflächennahe Grundwasser, da nützt es wenig, wenn es eingearbeitet wird. Das mindert nur den Geruch, aber nicht den Eintrag ins Grundwasser.

Ich bin sicher, dass die Gesamtkosten für eine umweltverträgliche Entsorgung des Sondermülls Gülle niedriger sein dürften, als jene für die zahlreichen negativen Nebeneffekte. Aber die Landwirtschaftskammer dürfte nicht ohne Grund nur so vage Angaben machen.

Mir stellt sich die Frage, wie stark die Bodenflora und -fauna inzwischen durch Beimengungen geschädigt wurde.

Bzgl. des angeblichen Nährstoffkreislaufs fehlen Angaben wie viel der Gülle hinterher wirklich in der Pflanze landet und was in den Boden bzw. Gewässer gewaschen wird. Da Gülle keine Depotfunktion hat, dürfte das meiste ungenutzt vom Feld verschwinden und höchstens den Boden abtöten oder noch schlimmer gefährliche Resistenzen erzeugen.

Wenn Fleisch ein Label hätte, dass es ohne Gülleverklappung erzeugt wurde, wäre mir das jedenfalls einiges Wert und ich denke sicherlich auch vielen anderen, wenn man es denn ehrlich kommuniziert und nicht weiterhin versucht Gülle und ähnliches als Dünger zu verkaufen. Also warum wird noch immer versucht Gülle als etwas ökologisches zu verkaufen, obwohl es zumindest langfristig die Böden schädigt und die Gewässer eutrophiert?

Die Erläuterung des Geruchs trifft nicht zu. Eher von riecht man Ammoniak und Harnstoff. Schwefelwasserstoff alleine riecht jedenfalls anders, als Gülle.

Rechtlich mag diese Praxis derzeit noch legal sein, moralisch anrüchig ist es auf jeden Fall die Welt zu zerstören.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scharfenort (Duisburg-Rheinhausen)

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