Ist der Ökostrom von ALDI echt?

Seit kurzem wirbt ALDI für ein Angebot von Ökostrom, wo ich mal nachschauen wollte, ob er denn auch echt ist. Die Antworten erwecken bei mir den Eindruck von umetikettierten Atom- und Kohlestrom.

Sehr geehrte Personen,

ich begrüße es sehr, dass ALDI hier eine Vorbildfunktion einnimmt und zeigt, was alles möglich ist, wenn man nur will.

Eins hat mich in der Berichterstattung der NRZ, allerdings doch bedenklich gestimmt.

Wasserkraft ist nicht zwangsläufig ökologischer Strom. Dieser kann durchaus auch nur umetikettierter Atomstrom sein. Das heißt mit Atomstrom oder Kohlestrom wird Wasser in ein Speicherbecken gepumpt um dann als Ökostrom verkauft werden zu können.

Also ich werde da definitiv die Finger von lassen und bleibe lieber bei echtem Ökostrom.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scharfenort (Duisburg-Rheinhausen)

Folgende Antwort bekam ich:

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihren Hinweis.

Mit ALDI Grünstrom tragen unsere Kunden direkt zur Energiewende bei, denn ALDI Grünstrom stammt zu 100 Prozent aus Wasserkraft, die in der Schweiz erzeugt wird. Die dortigen Kraftwerksbetreiber bekennen sich aktiv zu erneuerbaren Energien und treiben deren Ausbau nachhaltig voran. Aus diesem Grund trägt ALDI Grünstrom ein TÜV-Zertifikat, das für Sicherheit und Umwelteinsatz steht. Gutachter prüfen jedes Jahr, ob die anspruchsvollen Kriterien vom TÜV SÜD erfüllt werden. Wir garantieren klimaneutrale Energie für Zuhause.

Wir möchten unseren Kunden die Möglichkeit geben Grünstrom zu verwenden und somit einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Information weitergeholfen zu haben und würden uns freuen Sie in unseren Filialen begrüßen zu dürfen.

Wir freuen uns auf Ihren nächsten Besuch in einer unserer Filialen.

Mit freundlichen Grüßen aus Mülheim an der Ruhr

Der Name Grünstrom klingt ja gut, aber weiß ich, was für Kriterien der TÜV Süd hat? Kein Wort davon, dass es sich nicht um ein Pumpspeicherkraftwerk handelt. Kein Wort davon, dass dieses nicht mit Atomstrom gefüllt wird.
Interessant ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch was nicht gesagt wird.

Die thematisierte ich dann auch ein wenig undiplomatisch:

Sehr geehrte***,

nein haben Sie nicht.

Sie sagen nicht, dass der angebliche Grünstrom nicht aus Atomstrom stammt. TÜV-Zertifikat sagt nicht viel. Die Antwort war jedenfalls sehr ausweichend.

Mein Zweifel sind bei dieser Antwort sogar noch gewachsen. Klingt mir sehr nach einer Mogelpackung.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scharfenort (Duisburg-Rheinhausen)

Ich bekam folgende Antwort

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

In Deutschland ist nicht genügend Wasserkraftstrom vorhanden. Der Strom wird daher in der Schweiz produziert und in das Europäische Verbundnetz eingespeist. Bildlich kann man sich das wie ein großes Wasserbecken vorstellen: Es gibt verschiedene Zuflüsse, die das Wasserbecken füllen, und verschiedene Abflüsse, über die das Wasser direkt aus dem Becken entnommen wird. Über das Stromnetz wird also immer „gemischter“ Strom aus konventionellen Kraftwerken und aus EE-Anlagen verteilt. Eine Kilowattstunde Ökostrom und eine Kilowattstunde Atomstrom sind dabei physikalisch nicht zu unterscheiden. Der ökologische Unterschied liegt also nicht im Produkt selbst (Strom ist Strom), sondern in der Herstellungsweise. Aus diesem Grund ist auch der Herstellungsort nicht zwingend der Verbrauchsort. (Quelle). Wenn Kunden sich bei ihrem Stromtarif für Ökostrom entscheiden, wird Strom aus diesen regenerativen Quellen in der Höhe ihrer verbrauchten Strommenge ins gesamte deutsche Stromnetz eingespeist.

Eine steigende Nachfrage nach Ökostrom bewirkt langfristig, dass mehr erneuerbare Energien ausgebaut werden. So können Kunden aktiv einen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit und Umweltschutz leisten.

Das Prinzip der Herkunftsnachweise ist vom Gesetzgeber entwickelt worden und sichert somit, dass der Strom nicht doppelt vermarktet wird. Wir stellen sicher, dass der Strom mit der gewünschten Qualität produziert und ins Verbundnetz eingespeist wird.
Ein eigenes Netz für Ökostrom gibt es nicht. Daher ist es nicht möglich, Ökostrom getrennt von konventionellem Strom zu liefern. Strom wird über ein Stromnetz transportiert, an das alle Stromerzeugungsanlagen und alle Stromverbraucher angeschlossen sind – egal ob Wasserkraft- oder Kohlekraftwerk, egal ob Ökostromkunde oder Kunden mit konventionellem Tarifen.
Wichtig für den Umweltschutz ist, dass möglichst alle Verbraucher dafür sorgen, dass die von ihnen verbrauchte Strommenge umweltfreundlich erzeugt und ins Netz eingespeist wird. Grünstromkunden sorgen für den Zuwachs von Ökostrom, wenn sie darauf achten, dass der Anbieter von Ökostrom mit seinem Produkt für einen zusätzlichen Bau von neuen umweltschonenden Energieerzeugungsanlagen für erneuerbare Energien sorgt. So wird der Strom im Netz insgesamt „grüner“ und die Umweltbelastung durch die Stromerzeugung geringer (Quelle )

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesen Informationen weitergeholfen haben.

Mit freundlichen Grüßen aus Mülheim an der Ruhr

Klingt auf den ersten Blick nicht einmal schlecht, aber lenkt von der Fragestellung ab. Vielleicht hätte ich es auch klarer formulieren sollen in Frageform.


Sehr geehrte****,

leider weicht die Antwort erneut der Frage nach der Herkunft.
Die Erläuterungen über das Netz sind ganz nett mir aber bereits alle bekannt. Was relevant ist, welcher Strom genutzt wurde, um das Wasser in den Pumpspeicher hochzupumpen. Und da kommt es darauf an von welchem Anbieter der Strom gekauft wurde.

Da erneut so ausweichend geantwortet wird gehe ich davon aus, dass ALDI leider nicht sagen kann, dass kein Atomstrom gekauft wurde, um die Wasserkraft zu erzeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scharfenort (Duisburg-Rheinhausen)

Folgende Antwort bekam ich diesmal

Sehr geehrter Herr Scharfenort,

vielen Dank für Ihre erneute E-Mail.

Wir wir bereits mitgeteilt haben, wird über das Stromnetz immer „gemischter“ Strom aus konventionellen Kraftwerken und aus EE-Anlagen verteilt. Eine Kilowattstunde Ökostrom und eine Kilowattstunde Atomstrom sind dabei physikalisch nicht zu unterscheiden. Ein eigenes Netz für Ökostrom gibt es nicht. Daher ist es nicht möglich, Ökostrom getrennt von konventionellem Strom zu liefern. Strom wird über ein Stromnetz transportiert, an das alle Stromerzeugungsanlagen und alle Stromverbraucher angeschlossen sind – egal ob Wasserkraft- oder Kohlekraftwerk, egal ob Ökostromkunde oder Kunden mit konventionellem Tarifen.

Mit freundlichen Grüßen aus Mülheim an der Ruhr

Wieder sehr ausweichend geantwortet.

Sehr geehrte Frau Heumann,

vielleicht hilft es, wenn ich eindeutige klare Ja-Nein-Fragen stellen.

1. Handelt es sich um ein Pumpspeicherkraftwerk?
2. Wird am Strommarkt Graustrom, Kohlestrom oder Atomstrom eingekauft, um einen Pumpspeicher zu füllen?

Die meisten Wasserkraftwerke der Schweiz sind Pumpspeicherkraftwerke.

Um es zu verdeutlichen. Mich interessiert hier nicht der physikalische Vorgang der Stromverteilung. Das ist mir alles klar, was hier zählt ist woher der Strom gekauft wurde. Denn Pumpspeicher sind nun einmal für Greenwashing von Stromprodukten bekannt, sodass man am Ende eben gerade keinen echten Ökostrom bezahlt, sondern eher Analogökostrom in Analogie zu Analogkäse.

Wenn der Stromanbieter nur WIND und SOLAR im Angebot hat kann man hier sicher sein. Bei Wasserkraft nicht.

Zumal dies hier gilt:
http://www.energiestiftung.ch/erneuerbare-energien-pumpspeicherung.html

Mit freundlichen Grüßen

Ulrich Scharfenort (Duisburg-Rheinhausen)

Mich machen die Antworten jedenfalls mehr als skeptisch.

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Eine Antwort zu Ist der Ökostrom von ALDI echt?

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