Erörterung Kapazitätserweiterung Flughafen Düsseldorf

Es ist schon verwunderlich mit welcher Dreistigkeit eine Firma, wie der Flughafen Düsseldorf seinen Gegner gegenübertritt.

Die Erörterung begann mit einer dürftigen Rede von Herr Schnalke, dem Geschäftsführer des Flughafens, der die Wichtigkeit des Flughafens für die Region hervor und die Transparenz des Verfahrens betonte. In der Tat hatte der Flughafen bereits vor der offiziellen Offenlage der Antragsunterlagen ins Internet gestellt. Allerdings beim Facebookauftritt gab es keine Informationen dazu.

Der Flughafen äußerte sich bei Facebook hierzu wie folgt:
„… Facebook ist für uns (und war es auch noch nie) der Kanal für politische Kommunikation.“

Ist schon bemerkenswert, dass für den Flughafen eine Kapazitätserweiterung unter politische Kommunikation fällt. Dies sagt einiges darüber, wie das Verfahren bewertet wird.

Dabei hätte man bei Facebook die zahlreichen Flughafenfans zu einem positiven Statement aufrufen können. Von den über 40 000 Einwendungen, waren nur wenige positive dabei. Oder befürchtete man etwa hier zu viele potentielle Gegner auf die Pläne des Flughafens aufmerksam zu machen? Bemerkenswert ist hier, der Druck welcher auf Politiker und Gesellschaft durch die Medien ausgeübt werden soll.

Etwa über die IHK Düsseldorf, welche von knapp 200 Unternehmen öffentliche Unterstützungsbekundungen für den Flughafen bekam. Allerdings gab es auch 30 Unternehmen, die sich nicht als Unterstützer outen wollten. Natürlich sind mit den Firmen entsprechende Arbeitsplatzzahlen verbunden. Etwas mehr als 100 000 um genau zu sein. Wie üblich bei dem Arbeitsplatzargument, scheint nur die Anzahl gewertet zu werden und nicht die Qualität. Die IHK hat dazu natürlich auch eine Liste der Firmen veröffentlicht, die sich offiziell zum Flughafen bekennen. eine oberflächliche Auswertung ergab rund 7 % der befürwortenden Arbeitsplätze stammen von Firmen der Stadt Düsseldorf, der zufällig auch der Flughafen gehört. Etwa 15 % stammen von einer Sicherheitsfirma, bei welcher der Flughafen Großkunde ist. Dazu gesellen sich u.a. Taxifirmen, welche am Flughafen sicherlich sehr gut verdienen, Reinigungsdienst, Consultingfirmen und viele weitere. Ein Großteil entfällt wohl auf Firmen, die unmittelbar vom Flughafen profitieren bzw. in einem Geschäftsverhältnis stehen. Versteht sich von selbst, dass diese alles befürworten, was den eigenen Interessen dient.

Noch viel interessanter ist, was eine Auswertung von Umfragen der IHK ergab. Die Erweiterungsgegner trugen hierzu vor, dass bei vielen Umfragen Transport für wichtig erachtet wird, sich dies aber auf Straße, Schiene und Wassertransport bezieht. Auch für den Geschäftsbetrieb spielt der Flughafen bei weitem nicht die Rolle, welche der Flughafen gerne selber hätte.

Auch die Arbeitsplatzzahlen, welche der Flughafen gerne anführt um seine Wachstumsbestrebungen zu begründen, scheinen lediglich auf einem Modell zu beruhen, dass mehr Starts und Ladungen automatischen mit Mehr Arbeitsplätzen gleich setzt. Ungeachtet, ob jemand wirklich von diesen Jobs lebt. Zudem wird in einem der Gutachten sogar bestätigt, dass Arbeitsplätze an anderen Flughäfen vernichtet werden.
„…Aufgrund der zusätzlichen Kapazitäten am Flughafen Düsseldorf ist davon auszugehen, dass durch diese zusätzlichen Kapazitäten Angebote von den umliegenden Wettbewerbsflughäfen verlagert werden….“
Ob die Gesamtzahl der Arbeitsplätze gleich bleibt darf bezweifelt werden. Zudem dürften die geschädigten Regionen deutlich mehr unter dem Arbeitsplatzverlust leiden, als Düsseldorf von einem marginalen Zuwachs profitieren.

Viel interessanter wird es allerdings, wenn man versucht zu verstehen, wie der Flughafen die unmittelbaren und induzierten Arbeitsplätze zu ermitteln versucht. Hier wird ein Stichtag zu Hauptsaison genommen, wo ohnehin mehr los ist. Noch dazu die Arbeitsplätze die nur am Rande zu tun haben. Die Gegner verdeutlichten dies am eigenen Haushalt, wo dann der Briefträger, die Kassiererin im Supermarkt, Elektriker und Klempner usw. alle zu der Gesamtzahl der Arbeitsplätze beitrugen. Was natürlich absurd erscheint, wenn der Flughafen wirklich auf diese Weise Arbeitsplätze zum Flughafen gehörig zählen würde.

Die Erörterung geht am heutigen Montag dann in die nächste Runde. Das Thema Lärm steht weiterhin auf der Agenda Der Flughafen behauptet hier, dass es nur ganz wenig wäre, allerdings sind auf der verwendeten Dezibelskala nur geringe Änderungen bereits erhebliche prozentuale Zuwächse.

Sämtliche Gemeinden im Umland scheinen gegen die Erweiterung zu sein. Insbesondere natürlich die besonders stark belasteten Gemeinden, wie Meerbusch, Kaarst und Ratingen, aber auch Krefeld und Duisburg. Etliche Städte, obwohl nach eigener Aussage betroffen, wurden nicht zum Scopingtermin geladen. Hier handelt sich um einen Termin, wo Gemeinden und beispielsweise Umweltverbände zusammen kommen um bereits im Vorfeld offene Fragen zu klären und so Betroffenheiten zu berücksichtigen. Der Flughafen Düsseldorf fand es hier anscheinend nicht nötig, einige der betroffenen Kommunen zu beteiligen.

Insgesamt gab der Flughafen kein gutes Bild ab. Die Gegner, welche neben den Kommunen u.a. auch die Vereine Kaarster gegen Fluglärm und Bürger gegen Fluglärm umfasste, bearbeiten das Thema vielfach ehrenamtlich in der Freizeit. Während der Flughafen vorne eine ganz Bühne voll mit Fachleuten hatte, die allerdings meist nur mit mürrischer Mine dasaßen. Wenn sie mal etwas widerlegten waren es Einzelpunkte. Man kann sich als unabhängiger Beobachter des Eindrucks nicht erwehren, dass der Flughafen hier nur sehr stümperhafte Gutachten vorgelegt hat und sich außerstande sieht die Argumentation der Gegner zu entkräften. Will der Flughafen am Ende die Erweiterung gar nicht oder gab es bereits im Vorfeld aus dem Verkehrsministerium von Herrn Groschek Signale, dass alles durchgewunken würde, was der Flughafen möchte? Man sollte doch ansonsten annehmen, dass sehr viel ernsthafter gegen die Argumentation gekämpft würde. Aber Thema um Thema kam heran. Es wurden sogar früher Gutachten des Flughafens genutzt, die nun plötzlich nicht mehr gelten sollten, aber als Begründung für frühere Erweiterungen dienten.

Der Angerlandvergleich wurde von beiden Seiten ein ums andere Mal bemüht. Dieser legt eigentlich einen Endzustand des Flughafens Düsseldorf, scheint aber nicht so richtig beachtet zu werden, denn der Flughafen hat in den letzten Jahren an vielen Stellen Veränderungen vorgenommen, um mehr Flugverkehr abzuwickeln. Bereits wächst jährlich das Passagieraufkommen, auch dank A380, der so auch nicht genehmigt zu worden scheint. Nach der Brandkatastrophe von 1996 wurde der Terminal anscheinend so aufgebaut, dass dies mehr Kapazität hat.

Apropos Kapazität. Angeblich soll der Flughafen noch mehr Slots Problemlos bewältigen können, betrachtet man die Rechnung dazu genauer, dann wird nur die Landebahn betrachtet. Nicht aber was vor und nach dem Start passiert. Durch sogenannte ‚Supergates‘ wurden die realen Stellplätze ausgeblendet, ebenso wie die Auffächerung der Flugbahnen nach dem Start. Die ‚Flugrouten‘ scheinen hier längst nicht mehr beachtet zu werden. Die Gegner zeigten hier schöne Grafiken, wie sich der Flugverkehr über Düsseldorf selber, aber auch das Umfeld auffächert. Bei noch mehr Starts und Landungen, wird sich dies vermutlich erhöhen. Ebenfalls wird befürchtet, dass es zu noch mehr Verspätungen kommt. Bereits dieses Jahr hatte der Flughafen Düsseldorf fast dreimal so viele Flugbewegungen in der Nacht, wie der sehr viele größere Flughafen Frankfurt.

Dazu kommt, dass der Flughafen eine Deckelung der maximalen Flugbewegungen entfernen möchte, die im Angerlandvergleich resultiert. Es besteht die Gefahr, dass der Flughafen aus der nördlichen Ersatzbahn eine vollwertige Start und Landebahn machen möchte und dies obwohl aufgrund der Lage des Flughafens mitten in einer urbanen Region liegt. Nicht ohne Grund liegen Frankfurt und
München außerhalb und auch Berlin wird verlegt.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Fluglärm, Grundrechte, Umweltschutz abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s